Mütter-Betriebsurlaub

Einmal im Jahr gönne ich mir einen Erholungsurlaub mit meiner besten Freundin.
Wir wohnen mittlerweile 600 km außeinander und treffen uns jedes Jahr einige Tage in der Mitte. Anfangs haben wir noch nach airbnb Schnäppchen geschaut. Seit wir aber Mütter von insgesamt 7 Kindern sind, gehen wir ins Hotel mit Wellnessbereich. Man könnte sagen Betriebsausflug.
 Bereits im  Frühling  blockieren wir die gemeinsame Retraet im November und reservieren ein Doppelzimmer im Hotel..

Dieses Highlight am Ende des Jahres, tröstet in manchen Dürrephase des Alltags und glitzert verheißungsvoll in der Ferne.

 

 

Endlich ist es soweit.


Gedanken eilen den ersten Schritten voraus.
Ich plane gerne. Versenke meinen Geist in die Erwartung und bastel leicht perfektionistisch an den Vorbereitungen. Ich bin großer Fan, durch präzises Vorausdenken Fehltritte oder Engpässe zu vermeiden. Ich mag's geschmeidig. Bin gerne gut ausgestattet ( s. Handtasche von Reanimationsmundschutz bis hin zum Kinderkarussellchip vom letzten Jahr)


Die Liebe zur guten Vorbereitung begründet sich u.a. auch in meiner Schwäche bei unvorhergesehenen Dinge flexibel und entspannt zu bleiben. Unvorhergesehenes versetzt mich in der Regel in Spannung. Als wir zum Beispiel in einer kleinen Propellermaschine über dem Dschungel geflogen sind, war ich die einzige, die auf einen Absturz vorbereitet war. Dieses morbide Stelldichein erwies sich überraschender Weise dann doch als unnötig.

Ok, du lachst. Ich auch. Aber ich sag dir, diese innere Habacht-Haltung ist anstrengend, jedoch neurologisch nicht zu ändern. Da bringt auch der wohlgemeinte Schulterschlag "Entspann dich mal" nichts.
Wer das nicht kennt, lebt vermutlich entspannter, hat weniger Sorgen, weniger Vorbereitung und weniger Probleme mit Unvorhergesehenem. 


Nunja ich hab mich nun mal immer im Gepäck und weiß wie ich am besten mit mir Reise. Und solltest du mal mit mir unterwegs sein und plötzlich Lust auf eine Runde Kinderkarusell bekommen: Kein Problem! 
 
Startschuss Betriebsurlaub! Es kribbelt. Hab ich auch nichts vergessen? Wird alles reibungslos verlaufen? Ich küsse meine Kinder und meinen Mann und steige mit einer Prise schlechtem Gewissen in den Zug ( die ist bis zum nächsten Bahnhof i.d.R. verflogen).
  
Nach den ersten Etappen sinkt der Adrenalinspiegel wieder etwas. Finde ein ruhiges Plätzchen im ICE, scanne die Leute im Abteil  und  krame erste Vorbereitungen aus dem Rucksack. Buch, Papier, Stift, Kaugummi. Oder Kaffee, Mandarine, Kopfhörer .. hab ja alles dabei.
Gelassenheit und Vorfreude breitet sich aus.

Es tut mir gut aus meinen Alltag rauszutreten und etwas Abstand zu gewinnen, denn bekanntlich sieht man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Ich skizziere auf ein Blatt die Umrisse meines Alltags. Familie, Freundschaften, Haushalt, Papierkram, Arbeit, Musik, . . Welche Bereiche pulsieren, welche sind erschlafft. Welche möchte ich wiederbeleben und von welchen mich verabschieden .

Dazu brauche ich Abstand und etwas ungestörte Zeit....

 

Ich kehre aus, um einzukehren.


Meine Freundin tut das selbe. So tun wir es gemeinsam.

Wir überprüfen mindestens einmal im Jahr die Weichenstellungen unseres Lebens.
Nicht ganz unwichtig.


Unsere Männer haben das mittlerweile verstanden und lassen uns ziehen. Nicht mit Konfetti, aber mit dem wilden Blick der Entschlossenheit. Ja, sie werden es ohne uns schaffen.

 

Erster Abend im Hotel.
Wir kommen an. Prosecco. Wir legen Alltag und Kleider ab, die Sauna ruft. Wir reden. Und reden. Snacken. Reden. Prosecco. Reden. Weinen. Lachen. Beten. Schlafen.

Ich verschone euch jetzt mit Details und Bildern zum Frühstücksbuffet. Nur so viel: Unser Körper verlangt bis zum Abend keinen Nachschub. Was uns natürlich nicht hindert, ihn dennoch mit Torte und Kaffee zu verwöhnen. Die weiteren Tage folgen dem gleichen Prinzip: Was-wollen-WIR. Was-brauchen-WIR. Einfach mega, wenn man den ganzen Betrieb mal daheim lässt und Chefs unter sich sind.


Unsere Gespräche sind wie ein Aufatmen, ein Ausmisten und Aufräumen der Seele. Wir helfen uns gegenseitig sortieren, priorisieren und loszulassen. Wir nehmen uns Zeit, füreinander zu beten.

Wir erholen uns. Körper, Seele und Geist.
Super Betriebsausflug!!!

 

Na auch Lust bekommen? Von Herzen wünsche ich dir so eine Zeit. Im Wellness-Hotel. Oder Einkehr-Tage in einem schönen Kloster. Wenn du keine gleichgesinnte Freundin dafür findest, nutze Gruppenangebote/ Freizeitreisen für Erholung oder geistliche Retreat. Tank auf bei einer guten Frauenkonferenz. Oder zieh dich allein zurück. Wonach ist dir? Stille? Belebung? 

 

Eins ist klar,

eine Auszeit kriegst du kaum geschenkt.

Du organisierst sie dir.

Es lohnt sich wirklich.

 

 Bring dich immer wieder auf Kurs. Der Alltag geht oft mit Volldampf voraus. Gut, wenn auf deiner Lebensreise die Richtung stimmt. Wenn die richtigen Leute mit an Board sind, die Verpflegung gut ist.

 

 Gönn dir das! Knausrigkeit ist an dieser Stelle fehl am Platz. Denk daran, wenn DU der Dreh und Angelpunkt deiner Familie bist, geht es allen gut, wenn es dir gut geht.

Pausen sind organisch. Sie gehören zum Leben dazu. Wir brauchen sie.

 

Apropos "sich was gönnen". Die Finanzen für den Betriebsausflug sahen dieses Jahr schlecht aus. Blödes Gefühl alles zu buchen und das Gefühl zu haben, man strapaziert die Familienkasse über. Also hab ich gebetet, dass Gott mir einen Bonus auszahlt. Weihnachtsgeld, ein guter Arbeitgeber zahlt doch sowas. Und mein Gott ist gut! Er ist großzügig! Wie ein guter Vater, der seiner kleinen Tochter Ferien auf dem Ponyhof schenkt und sich mitfreut, als sie mit strahlenden Augen in die neuen Reitstiefel schlüpft.

Und Anfang November hatte ich plötzlich ein Geldgeschenk auf dem Konto. Kein Witz! Das hätte für ne ganze Woche Wellness gereicht. Erbeten und doch unverhofft. Unglaublich. Dankbar!

 

Soweit mein Erlebnisbericht zum mütterlichen Betriebsurlaub. Ich hoffe, du hast Lust und Drive bekommen 2020 deine persönliche Auszeit zu planen. So, ich tipp hier schon viel zu lang rum. Gehe jetzt nochmal ne Runde im Pool paar Bahnen ziehen, bevor wir gleich die Stadt leer shoppen.

 

 

Lass gern von dir hören,

entspannte Grüße,

eure Johanna

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Kommentare: 1
  • #1

    Janina Jodat (Dienstag, 03 Dezember 2019 08:23)

    Ich schwelge in Erinnerungen an diese wundervollen Tage, die mir Sonne und Kraft im Alltag sind