Familienurlaub tutto bene

 

Es ist der Wahnsinn! Schweißgebadet, dank italienischer Sonne sowie weiteren familiär bedingt schweißtreibenden Faktoren, frage ich mich, wohin das eigentlich führen soll. Dieser sogenannte "Urlaub". Darf man Familienurlaub eigentlich "Urlaub" nennen? Oder macht man sich da irgendwie strafbar wegen Verleumdung oder so? 

 

Ein Dreijähriger, sechsjährige Zwillings-Mädchen, ein attraktiver Mann und ich. Der ersehnte Sommer erwärmt das unterkühlte, an grau gewöhnte Deutschland. Auf der Agenda in der gefühlt nie sauberen Küche steht: Familienurlaub.

 

Romantisch verklärte Erinnerungen an den letzten Urlaub flattern wie bunte Schmetterlinge durch die ganze Wohnung. War das schön. Autofahren bis die Kaugummis hart werden, Streitereien, Mückenalarm, Sonnenbrand- und-überall-Sand, Wo-ist-das-Kind-Panikattacken und die After-Party mit Wäscheberge zu Hause... alles in Seifenbasen verklärt. Daher, nochmaaaal. Tutto bene.

 

Höre mich beim Kaffeeplausch mit den Freundinnen noch plappern, wie sehr ich mich auf den Urlaub freue. Auf entspannte Zeit mit den Kindern. Echt jetzt? fragen die zurück. Ob es da bei uns entspannter wäre? Bei ihnen käme es lediglich zu einem Ortswechsel. Ach ihr Armen, denke ich und zucke mit den Achseln. Trifte gedanklich schon ab Richtung gepolstertem Liegestuhl, Roman und drei sonnengebräunten ausgeglichen spielenden Kindern, die stundenlang Autos und Schleichtiere durch den italienischen Staub manövrieren.

 

Es war doch so? Oder?

 

Also los. Packen klappt erstaunlich gut. Wirklich so gut, dass wir spontan einen Tag früher abreisen können. Ich nicke mir anerkennend zu. Du alte Travellerin, haha. Einfach mal ne Nacht früher 1000 km Richtung Süden ins Blaue fahren. So spießig bist du doch gar nicht.

Drei Uhr nachts geht es los. Ich liebe freie Autobahnen bei Nacht. Als Beifahrerin. Glücklicherweise habe ich einen nahezu unermüdlichen Cruiser geheiratet, den man nur mit Nuss-Cranberry-Variation und RedBull tanken muss. Und wenns mal wieder länger dauert, Snickers. Für die kurzen Zeiten des Fahrerwechsels habe ich mir einen Grisham-Thriller-Hörbuch eingepackt und eine exzellente Snackbar zusammengestellt. Gute Kombi mit Wach-Bleib-Garantie. Snackbar für die hintere Reihe sowie ein abwechslungsreiches Animationsprogramm ist ebenso an Board.

Gegen Mittag sind wir endlich da. Mit zuckerverklebtem Magen und schweißigem Rücken betreten wir Bella Italia. Das hat ja wunderbar geklappt. Die deutschen Auto-Flaggen rolle ich schnell zusammen und verstaue sie im Kofferraum. Wir wollen keinen Ärger.

So und an dieser Stelle endet mein Urlaubsbericht.

 

 

...

 

 

 

Ich unterschlage meinen Freundinnen und allen Lesern, dass die schillernden Seifenblasen mit Eintreffen am Urlaubsort alle geplatzt sind. Ich verschweige, dass die Summe der Streitereien und Unannehmlichkeiten den erwarteten alltagsfernen Erholungswert mindestens um die Hälfte reduzierten.  Keinesfalls will ich mich daran zurückerinnern, wie ich mit einem derben PMS alle wahnsinnig gemacht habe, vor allem den unschuldigen Mann an meiner Seite.

 

Doch erwähnen und betonen möchte ich, dass meine Haut ein paar Tönungsetappen genommen hat, ich im Meer geschwommen bin und jede Menge Pizza, Pasta, Eis, Vino bianco sowie Vino rosso meinen Körper passiert haben, bzw. hängen blieben. Außerdem habe ich mein Ein-Roman-im-Jahr-Pensum erreicht. Und meine Kinder, ja, die fanden den Urlaub von Beginn bis Ende einfach nur fabelhaft.

 

 Tutto bene.

Nächstes Jahr wieder.