Der Gigant lässt sich herab

Alle Jahre wieder. Seit 1889 kommen Menschen in der neugotischen Kirche am Ort zusammen um Weihnachten zu feiern. 2017 sitzen wir im Kreis von Kindern und Eltern und hören die Weihnachtsgeschichte.

Plötzlich durchbricht ein Staunen die Stille des  schon-gehörten, alt-vertrauten, zu  gewöhnlich gewordenen Wortes: Gott wird Mensch.

Mein Herz stolpert und bleibt von Ehrfurcht gepackt liegen. 

Sollte das die Wahrheit sein? Sollte das wirklich geschehen sein?

Eigentlich ist es die verrückteste Geschichte der Menschheit. Ein allmächtiger Gott, Schöpfer, der Gigant lässt sich herab und wird ein hilfloses Neugeborenes. Wie abgefahren. Es ist mir, als würde kurz der tannengrüne Schleier aus Plätzchenduft, Geschenkerausch und Lichterglanz von meinem inneren Auge genommen und ich blicke auf das enthüllte Geheimnis von Weihnachten.

Tränen kullern mir übers Gesicht und ich fühle mich über die Maßen gesehen und geliebt, dass ein König diesen Formats mich als würdig sieht. Dass er meinetwegen diesen demütigen Weg wählt, um mein Herz zu gewinnen.

Meine Liebesgeschichte.

Neu entdeckt.

Neu berührt.

Neu ergriffen.

 

Was sitzen wir eigentlich so andächtig da und denken an unser Fest, an die letzten Erledigungen, an Dekoration, und all den Glitzer der uns die Augen verklebt . Müssten wir nicht ergriffen auf die Knie gehen oder laut werden vor Freude? Irgendeine Reaktion zeigen auf diesen heiligen Wahnsinn, der an unser Leben klopft.

Vielleicht ist die Geschichte zu krass, als das mancher sie glauben könnte. Durch denken hebt sich kein Schleier. Gottes Sohn, Jungfrauengeburt, Stern, Retter im Stall, Engelschöre. Rätsel, Stolpersteine,Fantasy?

 

Ich will mich packen, faszinieren und ziehen lassen zur Krippe. Wie die so genannten  heiligen drei Könige. Der Stern hat sie fasziniert. Sie folgten einer großen Ahnung, einer Sehnsucht und Neugier.

 

Und sie fanden das größte Geschenk, das der Himmel dieser Erde je gemacht hat.

 

 

Jesus.